Sandra_Maischberger
Warum engagieren Sie sich eigentlich ehrenamtlich?

Ehrenamtliches Engagement war für mich schon während meiner Schulzeit selbstverständlich. Später habe ich mich u.a. für den WWF, Ärzte ohne Grenzen, die Berliner Stadtmission und das Kuratorium von „Jugend debattiert” engagiert. Das wurde irgendwann so viel, dass ich mir dachte, entweder zerteile ich mich und habe für nichts mehr ausreichend Zeit oder ich entscheide mich dafür, eine Sache zu machen – und die dann richtig.

An dem Punkt war klar: Ich muss ein eigenes Projekt ins Leben rufen.

Wann und wie entstand die Idee etwas für Kinder zu tun?

Vor einiger Zeit führte mich eines meiner ehrenamtlichen Projekte in eine so genannte Brennpunkt-
schule. Mit den Kindern dieser Grundschulklasse habe ich, gemeinsam mit Barbara Vierfuß, die damals bei einem Kinderradio gearbeitet hat, eine kleine Radiosendung hergestellt. Ich weiß noch, dass ich nach Hause gegangen bin und gedacht habe: Das hat wirklich viel Spaß gemacht!
Die Kinder und der Lehrer waren ganz wunderbar. Daraus entstand die Idee für die Arbeit des Vereins. Die Grundidee ist, Kindern, die an ihren Schulen keinen Musikunterricht haben, keine Theaterangebote, nichts, was ihren Horizont etwas erweitert, den Zugang zu Kultur und sinnlichen Erfahrungen durch solche Projekte zu ermöglichen. Wir fördern nach klaren Richtlinien: Die Projekte müssen innerhalb der regulären Schulzeit stattfinden. Sie müssen einen hohen künstlerischen und pädagogischen Wert haben und nachhaltig wirken.

Was hat sich seit dem Start der Projekte getan?

Ich habe mit einigen Lehrern und Eltern geredet. Sie sagen, die Kinder bringen eine Konzentration und eine Begeisterung mit, die sonst im Unterricht nur schwer herstellbar sind. Die Lehrer sagen, es ist oft schwierig, eine Beziehung zu den Kindern aufzubauen, die ihnen ja erst ermöglicht, Wissen zu vermitteln. Diese zerstörerische Dynamik, die ja manchmal in den Klasse herrscht, wird durch die gemeinsame Arbeit, z.B. an einem Tanzprojekt, aufgebrochen. Gerade Kinder, die sonst große Schwierigkeiten in der Schule haben, zeigen in den Projekten oft ungeahnte Fähigkeiten. Es schweißt die Kinder zusammen, es motiviert sie, es gibt ihnen eine Idee davon, was es sonst noch im Leben gibt. Die Projekte kommen auf jeden Fall sehr gut an.

Haben Sie eigentlich auch ein Instrument erlernt?

Ich komme aus einer Familie, in der Musik einfach wichtig war. Ich habe Querflöte im Orchester gespielt und im Kirchenchor gesungen. Musik war ein großer Teil meines Lebens, sie hat mich emotional mehr aufgeschlossen als alles andere. Ich war völlig überrascht zu sehen, dass es Schulen gibt, an denen so etwas nicht stattfindet. Bildung ist eben mehr als Rechtschreibung, mathematische Regeln, Biologie und Geschichte. Es muss noch etwas geben, das Kinder emotional berührt, wo sie sich ausprobieren können, ihr Selbstbewusstsein finden. Das ist enorm wichtig für die Persönlichkeitsbildung.

Warum helfen Sie ausgerechnet Kindern, warum nicht Senioren oder Obdachlosen?

Wahrscheinlich, weil die Beschäftigung mit Kindern so viel Hoffnung geben kann. Und mich hat dieses Mädchen bei dem Radioprojekt sehr beeindruckt: Ein kleines, vorlautes, neugieriges, extrem forderndes Mädchen, das nach etwas gesucht hat, was aufregend ist und was sie herausfordert. Ich habe gedacht: was man Kindern in dieser Zeit versagt, dass kriegt man später nur mit großer Mühe in ihr Leben.

Und wenn es nur ein Kind gibt, das aus der Gruppe herausgeht und sagt: „Ich habe eine Idee bekommen, die für mein Leben wichtig ist” oder „Ich habe mehr Selbstbewusstsein”, dann ist unser Ziel schon erreicht.